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17.04.2019 |

FIAN: Rechte von Kleinbauern müssen konsequent umgesetzt werden

Farmer
Bauer in Mato Grosso, Brasilien (Foto: Eduardo Aigner/MDA, bit.ly/EdAigner)

Kleinbauern und Menschen auf dem Lande sind besonders stark von Armut und Hunger betroffen. Daher muss die UN-Kleinbauernerklärung, in der die Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten, verankert sind, konsequent umgesetzt werden. Das fordert die Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich des Internationalen Tags der Landlosen am 17. April in einem Appell an die Bundesregierung. Die Organisation verweist darauf, dass Vertreibungen und Diskriminierungen ländlicher Gemeinden wesentliche Ursachen für den weltweit überdurchschnittlichen Hunger unter Kleinbauernfamilien darstellen. Dabei sind gerade sie es, die den Großteil der Nahrungsmittel weltweit produzieren. Und zwar auf begrenzten Flächen: Von den weltweit geschätzt 570 Millionen Bauernhöfen bewirtschaften 475 Millionen weniger als zwei Hektar. Obwohl Kleinbauern 84% aller Bauernhöfe betreiben, verfügen sie nur über 12% des Agrarlands. Und der Druck auf ihr Land steigt. „Mit Unterstützung der Politik macht die Agrarindustrie KleinbäuerInnen zunehmend den Zugang zu Land, Wasser und Saatgut streitig. Die UN-Erklärung stärkt dagegen deren Rechte auf diese Ressourcen“, erläutert FIAN-Referentin Gertrud Falk.

Die UN-Erklärung für die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten wurde im Dezember 2018 von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Bei der Erarbeitung und Verabschiedung der Erklärung bekleckert sich die Bundesregierung jedoch nicht gerade mit Ruhm. Bei der Abstimmung in der UN-Vollversammlung und zuvor im UN-Menschenrechtsrat enthielt sich Deutschland der Stimme, während die große Mehrheit der Partnerländer im Globalen Süden für die Erklärung stimmte. „Zur Sicherung der Welternährung muss die Bundesregierung ihren menschenrechtlichen Verpflichtungen nachkommen und die UN-Erklärung konsequent in allen Politikbereichen umsetzen“, fordert Falk. „Hier kann die Bundesregierung ihr Bekenntnis zum Multilateralismus konkret umsetzen“, fügte sie hinzu. Anstelle der Ausweitung der ressourcenintensiven Massenproduktion in Monokulturen benötige es eine Förderung agrarökologischer Ansätze, die schonend mit natürlichen Ressourcen umgehen und Treibhausgasemissionen in allen Schritten vom Anbau bis zur Vermarktung vermeiden, betont Falk.

Der Tag der Landlosen bzw. der internationale Tag des kleinbäuerlichen Widerstandes steht jedes Jahr am 17. April im Zeichen der Rechte von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Hintergrund ist die Ermordung von 19 Aktivisten der Landlosenbewegung MST (Movimiento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) durch die brasilianische Polizei am 17. April 1996. Seither ruft La Via Campesina, einer weltweit organisierte Bewegung der Bauern, ländlichen Bevölkerung, Landlosen und Indigenen, um dieses Datum herum zu Aktionen und Kundgebungen auf. In Brasilien selbst sind zahlreiche Proteste geplant, die sich gegen die Politik des rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro wenden, der für die Rechte von Kleinbauern und Indigenen nicht viel übrig hat. Marina dos Santos von der bundesweiten Koordination von MST betont, dass die Politik der Regierung Fortschritte der Landreform, die seit Mitte der 1980er Jahre erzielt wurden, wieder zunichtemacht. „Wir sind der Meinung, dass eine Landreform einer der besten Wege ist, um die Probleme der Menschen zu lösen, soziale Gerechtigkeit und Arbeitsplätze zu schaffen und Lebensmittel in ausreichender Menge produzieren zu können, die günstig und gesund sind“, sagte sie. „Doch die Regierung setzt alles daran, dass es unmöglich wird, eine andere Agenda in der brasilianischen Landwirtschaft zu verfolgen als das Projekt, das das Agribusiness vorantreibt und in das die Regierung viel Geld investiert“, beklagt dos Santos. (ab)

15.04.2019 |

Energiepflanzen belegen ein Fünftel des deutschen Ackerlandes

Mais
Mais für Biogasanlagen wuchs 2018 auf 866.000 Hektar in Deutschland (Foto: CC0)

Auf 2,45 Millionen Hektar wuchsen 2018 in Deutschland Pflanzen, die nicht für die Ernährung, sondern die Energiegewinnung oder industrielle Nutzung angebaut wurden. Das teilte die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) am 10. April mit. Sie erhebt die Zahlen jedes Jahr im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums. Im Vergleich zum Vorjahr, für das die Anbaufläche rückwirkend auf 2,46 Millionen Hektar nach unten korrigiert wurde, blieb die Fläche für nachwachsende Rohstoffe konstant. In den letzten 15 Jahren gab es zunächst ein steiles Wachstum: Im Jahr 2004 wuchsen lediglich auf 1 Million Hektar nachwachsende Rohstoffe, doch schon 2007 wurde die 2-Millionen-Marke geknackt und 2015 und 2016 wurde mit einer Anbaufläche von 2,67 Millionen Hektar der bisherige Höchststand erreicht.

Trotz der Stagnation der letzten beiden Jahre wird anhand der Daten der FNR deutlich, dass die Energieproduktion auf dem Acker immer noch einen beachtlichen Anteil der Flächennutzung in Deutschland einnimmt. „In der Landwirtschaft erzeugte nachwachsende Rohstoffe wuchsen 2017 auf rund 16% der landwirtschaftlichen Nutzfläche, hauptsächlich auf dem Acker“, schreibt die Agentur. Der Rest der 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche wurde größtenteils für die Produktion von Futtermitteln (60%) und Nahrung (22%) genutzt, während 2% Brache und Stilllegung ausmachten. Zwar wird auch ein Teil des Dauergrünlandes für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen genutzt, da etwa Mähgut in Biogasanlagen landet, aber der Großteil wächst auf einem Fünftel der 11,8 Millionen Hektar Ackerland. „Insgesamt bleibt die Biomasseerzeugung auf fast 21 Prozent der Ackerflächen ein bedeutendes Standbein für die Landwirte“, betont die FNR.

Der Großteil der Fläche für nachwachsende Rohstoffe entfiel 2018 mit 2,17 Millionen Hektar auf Energiepflanzen: An erster Stelle stand der Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen mit 1,35 Millionen Hektar. Silomais belegte fast zwei Drittel dieser Fläche bzw. 866.000 Hektar, während auf dem übrigen Drittel andere Energiepflanzen wie Gräser, Getreide, Zuckerrüben und Leguminosen wuchsen. An zweiter Stelle folgte der Anbau von Rohstoffen für die Herstellung von Biokraftstoffen mit 806.000 Hektar. Davon wurden 560.000 Hektar für den Anbau von Raps für die Herstellung von Biodiesel und Pflanzenöl genutzt, wobei die Fläche gegenüber 2017 deutlich zurückging. Damals wuchs Raps für diesen Zweck noch auf 598.000 Hektar. Der Rückgang sei vor allem auf die stärkere Verwendung von Soja- und Palmöl für die Biodieselherstellung in deutschen Anlagen zurückzuführen, vermeldet die FNR. Die restliche Fläche für den Anbau von Biokraftstoffen entfiel mit 246.000 Hektar auf die Bioethanolproduktion – vor allem aus Weizen, Roggen, Zuckerrüben und Körnermais. An dritter Stelle standen mit gerade einmal 11.000 Hektar Pflanzen für feste Brennstoffe, etwa Kurzumtriebsholz wie Pappeln und Weiden, oder Miscanthus. Festbrennstoffe nehmen jedoch gegenüber dem Holz aus Wäldern in diesem Bereich nur eine untergeordnete Rolle ein.

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf dem Acker zur Gewinnung von Industrierohstoffen macht mit 275.000 Hektar im Vergleich zu den Energiepflanzen einen kleineren Anteil aus. Es dominieren Industriestärke (Weizen, Körnermais, Kartoffeln) mit 129.000 Hektar und Rapsöl für technische Zwecke mit rund 109.000 Hektar. Zuckerrüben für Industriezucker wuchsen auf 12.000 Hektar sowie Arznei- und Färbepflanzen ebenfalls auf etwa 12.000 Hektar. (ab)

12.04.2019 |

Ökolandbau ist Triebkraft für nachhaltigere Ernährungssysteme

Bio
Bio und bunt (Foto: CC0)

Der Ökolandbau fristet kein Nischendasein mehr, sondern gibt wichtige Impulse, um unser Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten. Das zeigt ein internationales Expertenteam in einem Artikel im Fachjournal „Nature Sustainability“ auf. Und die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, muss sich dringend ändern, damit Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben bewältigt und die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) erreicht werden, betonen sie. Doch der Wandel komme viel zu langsam voran. Ein großes Hindernis sei die tiefe Kluft zwischen zwei konkurrierenden Denkschulen bezüglich der Frage, wie die Veränderung erfolgen soll: durch eine schrittweise Verbesserung der bestehenden landwirtschaftlichen Systeme oder durch eine radikale Neugestaltung basierend auf agrarökologischen Prinzipien. „Zu lange haben wir hitzige Debatten darüber geführt, mit welcher Technologie wir die Welt ernähren können. Wir müssen dringend ideologische Barrieren und Eigeninteressen überwinden, um den notwendigen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem zu beschleunigen“, so Frank Eyhorn, einer der Hauptautoren.

Die Autoren argumentieren, dass die beiden Ansätze, die konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger zu machen und alternative Systeme wie den Ökolandbau zu fördern, Hand in Hand gehen und sich gegenseitig befruchten können. „Die Politik in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung spielt eine entscheidende Rolle sowohl für die Aufrechterhaltung nicht nachhaltiger als auch für die Entstehung nachhaltigerer Systeme, da sie Landwirtschafts- und Geschäftspraktiken, Kosten, Preise und Verbraucherentscheidungen stark beeinflusst.“ Die Experten fordern daher eine Kombination aus vier politischen Maßnahmen für die Schaffung nachhaltiger Ernährungssysteme. Erstens sollten Systeme mit Transformationspotenzial gezielt gefördert und verbessert werden. Da die Kosten der Umstellung auf alternative Agrarsysteme recht hoch seien, unter anderem durch höheren Bedarf an Arbeitskräften, Wissen und Schulung, sind wirtschaftliche Anreize und technische Beratung für Landwirte wichtig. Zudem müsse die Leistung dieser Systeme weiter verbessert werden, vor allem mit Blick auf die Erträge, Wassermanagement und das Erreichen der Verbraucher. In einigen Ländern gebe es schon ehrgeizige Programme für die Förderung des Ökolandbaus, die Push-Maßnahmen, wie Gelder für Agrarforschung und Beratungsdienste, und Pull-Maßnahmen, wie Infokampagnen für Verbraucher, umfassen.

Die zweite Maßnahme ist die Stärkung der Nachfrage nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Dies könne gelingen, indem bei Verbrauchern Bewusstsein geschaffen wird für den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Umwelt und sozialem Wohlergehen, und indem der Einzelhandel und jene, die viele Lebensmittel verarbeiten, dazu gebracht werden, solche Produkte anzubieten und zu nutzen. Da die konventionelle Landwirtschaft stark subventioniert wird und die Marktpreise die externen Kosten nicht widerspiegeln, seien Bioprodukte für Verbraucher aber noch teurer. Doch das sei ein Trugschluss: „Im Grunde genommen bezahlen wir mehrmals für scheinbar günstige Lebensmittel: an der Kasse, mit Steuern für Agrarsubventionen, bei der Behebung der durch die intensive Landwirtschaft verursachten Schäden und für die steigenden Gesundheitskosten. Das können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Hauptautor Adrian Müller vom FiBL. Drittens seien Anreize für Verbesserungen in der Landwirtschaft nötig. Praktiken, die zum Erreichen der SDGs beitragen, sollten gefördert und nicht nachhaltige Praktiken für konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe unattraktiv gemacht werden. Zahlungen an Betriebe müssten an die Bereitstellung öffentlicher Güter geknüpft werden und ihre Besteuerung von den verursachten externen Kosten abhängen. Als Beispiel hierfür nennen die Autoren Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen (PES), wie z.B. für die Erhöhung der organischen Bodensubstanz oder den Einsatz biologischer Schädlingsbekämpfung. Negative Anreize seien etwa Steuern auf schädliche Pestizide oder zu hohe Stickstoffeinträge in die Umwelt.

Als vierte Maßnahme fordern die Autoren die Verschärfung rechtlicher Anforderungen und Industrienormen, um nicht nachhaltige Praktiken zu verhindern, wie etwa die Nutzung hochgefährlicher Pestizide oder das Abholzen von Regenwäldern. Die Experten betonen, dass der erforderliche Paradigmenwechsel schon im Gange sei. UN-Organisationen wie die FAO erkennen zunehmend die Bedeutung der Agrarökologie als Wissenschaft, Praxis und soziale Bewerbung an, die dazu beiträgt, Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltiger zu machen. Nun sei es erforderlich, die Politik kohärent auf die Förderung nachhaltiger Praktiken auszurichten. „Es ist an der Zeit zu erkennen, dass transformative Systeme wie der Ökolandbau keine irrelevante Nische sind, sondern eine wichtige Rolle bei diesem Übergang spielen können. Sie können als wichtige Treiber für die Entwicklung nachhaltigerer Alternativen genutzt werden, die Nachfrage der Verbraucher verändern, konventionelle Systeme zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit anregen und insgesamt die Messlatte für das, was in der Landwirtschaft im 21. Jahrhundert akzeptabel ist, höher legen“, schreiben die Autoren. (ab)

03.04.2019 |

Weltweit leiden 113 Millionen Menschen an akutem Hunger

Kind
Akuter Hunger trifft auch Kinder (Foto: CC0)

Etwa 113 Millionen Menschen in 53 Ländern weltweit litten 2018 an akutem Hunger. Das geht aus einem Bericht des Food Security Information Network hervor, der am 2. April von der EU, der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und dem Welternährungsprogramm (WFP) veröffentlicht wurde. Laut dem „2019 Global Report on Food Crises” waren damit weniger Menschen betroffen als 2017, als noch 124 Millionen Menschen in 51 Ländern akuten Hunger litten. Dennoch ist die Zahl der akut Hungernden in den letzten drei Jahren konstant über der 100-Millionen-Grenze geblieben und die Zahl der betroffenen Länder ist gestiegen. Hinzu komme, dass weitere 143 Millionen Menschen in 42 Ländern nur einen Schritt vom akuten Hunger entfernt sind. „Aus dem Global Report geht klar hervor, dass die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger – der extremsten Form des Hungers – leiden, trotz eines leichten Rückgangs 2018, immer noch viel zu hoch ist. Wir müssen entlang des gesamten Nexus zwischen humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung handeln, um die Widerstandsfähigkeit der betroffenen und gefährdeten Gemeinden zu erhöhen. Um Leben zu retten, müssen wir auch die Lebensgrundlagen retten“, sagte FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva. Die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden und deren Leben unmittelbar gefährdet ist, ist nur die Spitze des Eisbergs. Weltweit sind 821 Millionen Menschen chronisch unterernährt.

Fast 72 Millionen oder zwei Drittel der Menschen, die akut Hunger leiden, leben in nur acht Ländern: Jemen, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan, Äthiopien, Syrien, Sudan, Südsudan und Nigeria. In 17 Ländern blieb der akute Hunger unverändert oder verschlimmerte sich sogar. Konflikte und Instabilität waren auch im Jahr 2018 die Hauptursache für Ernährungskrisen. Rund 74 Millionen Menschen befanden sich in 21 von Konflikten oder Unsicherheit betroffenen Ländern und Gebieten, vor allem in Afrika sowie in Westasien und im Nahen Osten. Klima- und Naturkatastrophen trieben 2018 weitere 29 Millionen in akuten Hunger. Die meisten leben in Afrika, wo fast 23 Millionen Menschen in 20 Ländern aufgrund von Klimaschocks an akutem Hunger litten. Wirtschaftliche Schocks waren der Hauptgrund für die akute Ernährungsunsicherheit von 10,2 Millionen Menschen, gerade in Burundi, im Sudan und in Simbabwe. Einige Länder wie Nordkorea und Venezuela wurden aufgrund unzureichender Daten gar nicht einbezogen. „Venezuela hat schwere wirtschaftliche und politische Turbulenzen erlebt, die einen massiven Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und anderen Rohstoffen auslösten. Diese Hyperinflation schränkte die Kaufkraft der Menschen und den Zugang zu Nahrungsmitteln drastisch ein. Viele Venezolaner, die in Nachbarländern Zuflucht suchen, haben ihre Mittel zum Kauf von Nahrungsmitteln ausgeschöpft “, so der Bericht.

„Um den Hunger wirklich zu beenden, müssen wir die Ursachen bekämpfen: Konflikt, Instabilität, die Auswirkungen von Klimaschocks. Jungen und Mädchen müssen gut ernährt und gebildet sein, Frauen müssen wirklich gleichgestellt, die ländliche Infrastruktur muss gestärkt werden“, sagte WFP-Exekutivdirektor David Beasley. „Dazu brauchen wir die Staats- und Regierungschefs der Welt: Stellen Sie sich der Herausforderung und helfen Sie, diese Konflikte jetzt zu beenden“, forderte er. Doch hier ist die Entwicklungsorganisation Oxfam, die sich zu dem Bericht äußerte, skeptisch. „Die Regierungen in den reichen und armen Ländern haben mutige Reformen versprochen, aber wenig geliefert. Das muss sich ändern “, sagte Cécile Duflot, Generaldirektorin von Oxfam France. „Jahrzehnte der schlechten Politikgestaltung haben dazu geführt, dass Konzerne unsere Ernährungs- und Agrarsysteme übernommen haben. Die Sicherung eines angemessenen Einkommens für Landwirte oder eine nachhaltige Lebensmittelversorgung war zweitrangig gegenüber der Sicherung von Renditen für Aktionäre.“ Auch Marita Wiggerthale, Agrarexpertin von Oxfam Deutschland, kritisiert, dass Förderprogramme und die Politik ausgerechnet jene Menschen vernachlässigen, die am stärksten von Nahrungsmittelkrisen betroffen und chronisch unterernährt sind: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in armen Ländern. „Dabei tragen Frauen die Hauptlast wenn es um die Ernährung der Familie geht. Wer Nahrungsmittelkrisen verhindern will, muss daher ihre politischen Ursachen bekämpfen und eine soziale und ökologische Neuorientierung in der Landwirtschaft vorantreiben. Die Landwirtschaft und der ländliche Raum sind die entscheidende Absicherung für von Nahrungsmittelkrisen betroffene Menschen“, sagte Wiggerthale. (ab)

01.04.2019 |

Protest gegen Patente auf Gurken und Gänseblümchen

Patente
Keine Patente auf herkömmliche Züchtung (Foto: Falk Heller/argum)

Trotz des Verbots von Patenten auf Pflanzen und Tiere aus herkömmlicher Züchtung erteilt das Europäische Patentamt (EPA) diese munter weiter, wie ein neuer Bericht des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!“ zeigt. Das haben zahlreiche Menschen und VertreterInnen von Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Entwicklungshilfe, Lebensmittelherstellung und Umweltschutz ordentlich satt. Sie protestierten am 27. März vor dem EPA in München. Mit einer drei Meter großen Melone und bunten Plakaten mit Aufschriften wie „Hände weg von unserem Saatgut!“, „Keine Patente auf Melonen und Co“ oder „Natur ist nicht patentierbar“ machten sie ihrem Ärger Luft. Zudem hofften sie, die Aufmerksamkeit des gerade tagenden Verwaltungsrates zu erhaschen, in dem die Vertreter der EPA-Vertragsstaaten sitzen und die eigentlich dafür Sorge tragen sollten, dass die Verbote eingehalten werden. Zum Protest hatten rund 30 Organisationen aufgerufen.

Der im Vorfeld veröffentlichte Bericht zeigt das Ausmaß der vom EPA auch 2018 und Anfang 2019 erteilten Patente auf Pflanzen aus herkömmlicher, konventioneller Züchtung. Obwohl die europäischen Gesetze deren Patentierung untersagen, erteilte das EPA im Jahr 2018 rund ein Dutzend Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen. Dazu gehören Melonen, Tomaten, Zwiebeln, Salat, Petersilie, Gurken und gar Gänseblümchen, die ohne Einsatz von Gentechnik gezüchtet wurden. Einsprüche gegen Patente auf Braugerste wurden sogar zurückgewiesen. Die patentierten Eigenschaften sind u.a. Resistenz gegen Mehltau, Anpassung an den Klimawandel und verbesserte Lagerungsfähigkeit. Derzeit steigt die Zahl der Patentanträge auf Pflanzen und Tiere in Europa stetig, warnt der Bericht. Über 3500 Patente auf Pflanzen wurden in der Vergangenheit bereits erteilt – die meisten davon im Bereich Gentechnik. In den letzten 10 bis 15 Jahren gibt es zudem eine stetig steigende Anzahl von Patentanträgen auf Pflanzen, die aus konventioneller Züchtung stammen und nicht gentechnisch verändert sind. Mehr als 1600 dieser Anträge sind bereits eingereicht und rund 220 dieser Patente wurden bereits erteilt. 2018 gingen rund 60 neue Patentanträge auf konventionelle Züchtung ein – mindestens ein Drittel davon von Saatgutriesen wie Bayer (Monsanto), Syngenta und DowDuPont.

„Oft basieren diese Patente nur auf Grundlage trivialer technischer Entwicklungen und sind nichts anderes als ein rechtlicher Trick, um die Grundlagen unserer Ernährung in das „geistige Eigentum“ einiger großer Konzerne zu verwandeln“, heißt es im Bericht. „Jedes einzelne dieser Patente kann dutzende oder auch hunderte von Pflanzensorten betreffen. Je nach Geschäftsinteressen der Patentinhaber können Lizenzen kassiert oder der Zugang zu Züchtungsmaterial blockiert werden.“ Als Beispiel für die Praxis des EPA nennen die Autoren ein Patent auf Melonen der Firmen Enza Zaden und Keygene. Es geht es um Resistenz gegen Mehltau. Entsprechende Gene wurden in natürlichen Populationen einer anderen Pflanzenart gefunden und per Gentechnik auf die Melonenpflanzen übertragen. Das Patent beansprucht aber alle Pflanzen, die jene Gene aufweisen, auch wenn sie der konventionellen Züchtung entspringen. Ein anderes Patent hält die Firma Rijk Zwaan auf Salat: Es beansprucht Salatsamen, Pflanzen, die auch bei erhöhten Temperaturen angebaut werden können, sowie deren Ernte. Diese Eigenschaft, die sich auch bei wildwachsenden Salatarten findet, soll die Anpassung an den Klimawandel erleichtern. Obwohl das Saatgut aus herkömmlicher Züchtung stammt, sind laut Patent alle Salatsamen, Salatpflanzen und deren Nachkommen betroffen, die mit hohen Temperaturen klarkommen. Im Patent werde der Eindruck erweckt, die Merkmale könnten auch mit Gentechnik erzielt werden, um so eine technische, patentierbare Leistung vorzutäuschen.

Im Juni 2017 hatte der Verwaltungsrat nach öffentlichen Protesten und Druck der EU beschlossen, dass Patente auf Pflanzen und Tiere aus herkömmlichen Züchtungsverfahren verboten sind. Im Dezember 2018 entschied eine Beschwerdekammer des EPA jedoch, dass der Beschluss rechtlich unwirksam sei. Somit drohen derartige Patente in noch größerem Umfang. „Das EPA ist in seinem gesamten Aufbau so angelegt, die Interessen der Industrie und Patentanwälte zu bedienen. Die Anliegen der Allgemeinheit werden konsequent ignoriert. Mit immer neuen juristischen Winkelzügen wird versucht, Beschlüsse der Politik und die gesetzlichen Verbote ins Leere laufen zu lassen“, sagte Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. „Sollte es dem Verwaltungsrat nicht gelingen, die geltenden Verbote endlich rechtlich wirksam zu machen, muss der Text der Gesetze selbst so geändert werden, dass kein Spielraum mehr bleibt für diese fragwürdigen Auslegungen. Die herkömmliche Züchtung von Pflanzen und Tieren muss frei von Patentansprüchen bleiben.“ (ab)

22.03.2019 |

UN-Bericht fordert besseren Zugang zu Wasser für Kleinbauern

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Kleinbauern brauchen Wasser (Foto: CC0)

Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung ist ein Menschenrecht. Dennoch leben immer noch Milliarden Menschen ohne sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen – vor allem ohnehin diskriminierte Gruppen wie arme Menschen in ländlichen Gebieten. Das betont der UN-Weltwasserbericht 2019, der im Vorfeld des Weltwassertags am 22. März veröffentlicht wurde. Rund 2,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem und durchgängig verfügbarem Trinkwasser, während 4,3 Milliarden keine sicheren Sanitäranlagen nutzen können. „Es steht viel auf dem Spiel: Fast ein Drittel der Weltbevölkerung hat keine sichere Trinkwasserversorgung und nur zwei Fünftel haben Zugang zu sicheren Sanitäranlagen. Die Verschärfung der Umweltzerstörung, der Klimawandel, Bevölkerungswachstum und die schnelle Urbanisierung stellen auch große Herausforderungen in Bezug auf die Wassersicherheit dar“, schreibt UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay im Vorwort des Berichts. „Die Zahlen sprechen für sich. Wie der Bericht zeigt, werden 45% des globalen Bruttoinlandsprodukts und 40% der Weltgetreideproduktion bis 2050 gefährdet sein, wenn Umweltschäden und der nicht nachhaltige Druck auf die weltweiten Wasserressourcen wie derzeit anhalten. Arme und marginalisierte Bevölkerungsgruppen werden überproportional betroffen sein, was die bestehende Ungleichheit weiter verschärft“, warnte Gilbert F. Houngbo, Chef von UN-Water.

Dem Bericht zufolge gibt es beim Zugang zu Wasser erhebliche Unterschiede zwischen und innerhalb von Regionen, Ländern, Gemeinschaften oder gar Stadtvierteln. Von den 159 Millionen Menschen, die noch immer unbehandeltes Trinkwasser direkt von Oberflächengewässern entnehmen, leben 58% in Subsahara-Afrika. Nur 24% der Bevölkerung dort haben Zugang zu sauberem Trinkwasser und nur 28% verfügen über sanitäre Einrichtungen, die sie nicht mit anderen Haushalten teilen müssen. Eine weitere Kluft tut sich zwischen Stadt und Land auf. 2015 hatten nur zwei von fünf Personen auf dem Land Zugang zu fließendem Wasser, in urbanen Räumen waren es vier von fünf Personen. In Städten waren 63% der Haushalte an ein Abwassersystem angeschlossen, in ländlichen Gebieten dagegen nur 9%. Slum-Bewohner zahlen oft 10 bis 20 Mal so viel für Wasser, das sie von Wasserverkäufern oder Tanklastwagen kaufen müssen, wie Bewohner wohlhabender Viertel mit fließendem Wasser. Auch Frauen werden beim Zugang zu Wasser diskriminiert. In Subsahara-Afrika sind meist Frauen und Mädchen fürs Wasserholen zuständig und müssen oft sehr viel mehr als 30 Minuten für jede Wegstrecke aufwenden. Ohne sicheren Zugang zu Wasser stehen Menschen vor enormen Problemen, wie schlechte Gesundheits- und Lebensbedingungen, Mangelernährung und fehlende Möglichkeiten für Bildung und Beschäftigung, warnt der Bericht.

Der Druck auf die Wasserressourcen nimmt stetig zu. Der Wasserverbrauch nahm seit den 1980er Jahren weltweit um etwa 1% pro Jahr zu. Das Bevölkerungswachstum, die sozioökonomische Entwicklung und veränderte Konsummuster haben dazu beigetragen. Es wird erwartet, dass der weltweite Wasserbedarf bis 2050 in ähnlichem Maße weiter steigt – das heißt um 20 bis 30% gegenüber dem heutigen Verbrauch. Vier Milliarden Menschen leiden mindestens einen Monat im Jahr unter starker Wasserknappheit. Über zwei Milliarden Menschen leben in Staaten mit hohem Wasserstress. Dort werden mehr als ein Viertel der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt. 22 Länder, darunter Ägypten oder Pakistan, nutzen mehr als 70% ihrer erneuerbaren Wasserressourcen. „In Deutschland werden seit 15 Jahren weniger als 20% der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt. Wir sind hier also auf dem richtigen Weg“, sagt Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. „Doch wir sind Mitverursacher der großen Probleme in anderen Weltregionen – durch den Import etwa von Baumwolle oder Rindfleisch, deren Herstellung teils gewaltige Wasserressourcen benötigt.“ Der Druck aufs Wasser wird infolge des Klimawandels noch zunehmen, ebenso wie Konflikte um Wasser. Im Zeitraum 2000–2009 wurden 94 Konflikte registriert, 2010–2018 gab es bereits 263 registrierte Konflikte, bei denen Wasser eine Rolle spielte.

Der Zugang zu Wasser ist für Kleinbauern rund um den Globus besonders wichtig, betont der Bericht. „Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bilden in vielen Ländern das Rückgrat der Lebensmittel-versorgung, sie tragen dort zu mehr als der Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion bei. Doch gerade auf dem Land sind Armut, Hunger und Ernährungsunsicherheit am größten“, heißt es. „Ein gerechter Zugang zu Wasser für die landwirtschaftliche Produktion, auch wenn er nur eine ergänzende Bewässerung der Pflanzen ermöglicht, kann den Unterschied ausmachen, ob die Landwirtschaft gerade zum Überleben ausreicht oder eine verlässliche Lebensgrundlage ist.“ Doch in armen ländlichen Gebieten sei Wasserinfrastruktur nach wie vor kaum vorhanden. Dennoch finden Millionen von Kleinbauern Wege, um Wasser zu erhalten, ihre Pflanzen damit zu versorgen oder Wasser zu speichern, um Mangel während Trockenperioden oder der Trockenzeit auszugleichen. Obwohl sie enorm produktiv mit Wasser und Land umgehen und einen wichtigen Beitrag zur nationalen Ernährungssicherheit leisten, werden Kleinbauern meist übersehen, wenn es um Nutzungsrechte für Wasser oder öffentliche Subventionen für den Aufbau einer Infrastruktur für die Bewässerung geht. Der Wasserbedarf von Kleinbauern muss stärker berücksichtigt werden, fordert der Bericht. (ab)

15.03.2019 |

Umweltzerstörung: Kranker Planet macht die Menschen krank

Planet
Kranker Planet, kranke Menschen (Foto: CC0)

Wie viele Weckrufe zum Zustand unseres Planeten braucht es, um die Menschen und die Politik zum Handel zu bewegen? Das UN-Umweltprogramm gibt mit dem „Global Environment Outlook 6” nun den nächsten Warnschuss ab, der an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist: Der Mensch hat durch nicht nachhaltige Aktivitäten den Ökosystemen der Erde dermaßen zugesetzt, dass das „ökologische Fundament der Gesellschaft“ in Gefahr ist und damit auch die menschliche Gesundheit. „Gesunder Planet, gesunde Menschen“, so die klare Botschaft im Untertitel des Berichts, der am 13. März pünktlich zur Konferenz der Umweltminister im kenianischen Nairobi veröffentlicht wurde. 250 Wissenschaftler und Experten aus über 70 Ländern arbeiteten fünf Jahre an den 745 Seiten. Unser Planet ist krank, lautet ihr Fazit. Erderwärmung, Artensterben, der Raubbau an den natürlichen Ressourcen und der Druck auf Ökosysteme plagen ihn. Ein gutes Leben und Wohlergehen für alle 10 Milliarden Menschen auch im Jahr 2050 zu sichern, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten, sei eine der größten Herausforderung, der die Menschheit je gegenüberstand. Die gute Nachricht ist, dass es gelingen kann – aber nur, wenn der Gesundheit der Erde Priorität eingeräumt wird. Die Wissenschaftler empfehlen, drei wichtige Systeme grundlegend zu verändern: Ernährung, Energie und Abfall. Und damit bloß keine Zeit zu verlieren. Doch genau das passiere gerade, denn es fehle der politische Wille.

Der Bericht gibt einen detaillierten Überblick über aktuelle Umweltgefahren und die Folgen für die menschliche Gesundheit. „Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch oder Millionen Menschen in Städten und Regionen Asiens, des Nahen Ostens und in Afrikas werden bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben“, warnen die Autoren. Die Luftverschmutzung verursacht viele Krankheiten und führt jährlich zu 6 bis 7 Millionen vorzeitigen Todesfällen. Die genetische Vielfalt nimmt ab, wodurch die Ernährungssicherheit sowie die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme, inklusive der Agrarsysteme, gefährdet werden. „Entscheidender Druck auf die Biodiversität wird ausgeübt durch die Veränderung, den Verlust oder die Degradierung von Lebensräumen, nicht nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken, die Ausbreitung invasiver Arten, Umweltverschmutzung und Übernutzung, einschließlich illegaler Abholzung und Handel mit Wildtieren“, heißt es. Auch die Meere und Küsten sind in einem schlechten Zustand: Abfälle landen im Meer, darunter Kunststoffe und Mikroplastik, und Korallenriffe sterben. Auch an Land sieht es nicht besser aus: Bodendegradation und Wüstenbildung haben zugenommen und nicht nachhaltige Bewirtschaftungssysteme machen den Böden und der Umwelt zu schaffen. Auch viele Gewässer sind mit Schadstoffen belastet. Bis 2050 wird Antibiotikaresistenz zu einer der Haupttodesursachen. Hormonaktive Substanzen in der Umwelt werden die Fruchtbarkeit sowie die kognitive Entwicklung von Kindern beeinträchtigen.

Wenn die Menschheit so weitermacht, erreicht sie weder die UN-Nachhaltigkeitsziele noch ihre Klimaziele. Schnelles und entschlossenes Handeln ist also nötig. Das Ernährungssystem ist dem Bericht zufolge eines der drei Systeme, die umgebaut werden müssen. Allein mit drei Maßnahmen könnten enorme Fortschritte erzielt werden: Erstens braucht es für Landwirte starke Anreize, damit sie ihre Treibhausgasemissionen reduzieren und ihr Land so effizient wie möglich nutzen. Zweitens muss die Verschwendung von Lebensmitteln in der gesamten Wertschöpfungskette gestoppt werden. Derzeit geht etwa ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verloren oder wird verschwendet. Etwa 56% davon entfällt auf die reichen Länder, während 44% der Verluste in armen Ländern anfallen und andere Ursachen haben. Drittens müssen die Menschen dazu ermutigt und befähigt werden, sich gesünder und nachhaltiger zu ernähren. Das bedeutet vor allem, weniger Fleisch zu essen. Die Fleischproduktion beansprucht 77% der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche, und die industrielle Fleischproduktion und Viehhaltung sind bedeutende Treibhausgasquellen. Die Verringerung des Konsums von rotem Fleisch in Ländern mit hohem Verbrauch würde auch der Gesundheit guttun. Laut den Wissenschaftlern würden diese drei Maßnahmen bewirken, dass die Agrarproduktion bis 2050 nicht um 50% erhöht werden muss, wie es in der Welternährungsdebatte häufig angeführt wird.

Die Welt verfügt über das Wissen, die Technologie und das Geld, um einen nachhaltigeren Entwicklungspfad zu beschreiten. Was derzeit fehle, sei der politische Wille, politische Maßnahmen und Technologien schnell und umfangreich genug umzusetzen. „Wir stehen am Scheideweg. Bleiben wir auf unserem derzeitigen Weg, der zu einer düsteren Zukunft für die Menschheit führen wird, oder bewegen wir uns zu einem nachhaltigeren Entwicklungspfad? Das ist die Wahl, die führende Politiker jetzt treffen müssen“, sagte Joyce Msuya, stellvertretende Exekutivdirektorin von UN Environment. (ab)

13.03.2019 |

Entwicklungszusammenarbeit setzt auf Agrar- und Finanzindustrie

Geld
Unterstützung für Kleinbäuerinnen statt für Agrarkonzerne (Foto: CC0)

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist immer stärker mit Agrarkonzernen und der Finanzindustrie verflochten. Doch Kooperationen mit der Privatwirtschaft sind nicht dazu geeignet, Hunger und Armut strukturell zu bekämpfen, denn meist profitieren nicht die marginalisierten Bevölkerungsgruppen als eigentliche Zielgruppe, sondern die Konzerne, die dabei satte Gewinne machen. Diese Kritik an der zunehmenden Privatisierung der Entwicklungszusammenarbeit äußern die Menschenrechtsorganisation FIAN und das entwicklungspolitische INKOTA-netzwerk in einer neuen Studie. Die Autoren sprechen von einem „tiefgreifenden Politik- und Paradigmenwechsel“ in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ). „Mit zahlreichen Projekten und Initiativen ist sie im Begriff, eine EZ, bei der staatliche und teilweise zivilgesellschaftliche Akteure im Vordergrund stehen, durch eine Politik zu ersetzen, die sich auf die Wünsche von Konzernen und der Finanzindustrie als Mittel für landwirtschaftliche Entwicklung fokussiert“, lautet das Fazit.

Im Zuge der Debatte um die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die auch die Bekämpfung von Hunger und Armut vorsehen, sei es Akteuren wie der Weltbank gelungen, die Nachricht zu verbreiten, dass die Ziele ohne Investitionen des Privatsektors nicht erreicht werden können. „Im Gepäck der SDGs war die Botschaft enthalten, dass zu ihrer Umsetzung gewaltige 2,5 Billionen Dollar pro Jahr fehlen – und nur privates Geld dieses Loch stopfen könne. Diese Botschaft wird nicht hinterfragt. Sie führte zur Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit und hat damit möglicherweise mehr Wirkkraft entfaltet als die Entwicklungsziele selbst“, betonte Mitautor Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland. Der Umbau wird auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorangetrieben. Vor allem neue Finanzierungsinstrumente und -strategien, die den Privatsektor einbeziehen, seien „en vogue“. Die Autoren sehen öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnerships, PPP) mit problematischen transnationalen Konzernen, neuartige Entwicklungsfonds oder die Abwicklung von Entwicklungsfinanzierungen über intransparente Finanzzentren mit Sorge. Allein die DEG, Tochter der staatlichen Entwicklungsbank KfW, habe mehr als die Hälfte ihrer 7,2 Milliarden Euro Entwicklungsgelder an Finanzinstitute vergeben. Innerhalb von 10 Jahren haben sich Kredite und Beteiligungen der DEG an Unternehmen in Finanzoasen, darunter den Kaimaninseln oder Mauritius, auf 372 Millionen Euro verfünffacht.

Kritisch beäugen die Autoren die zunehmende Kooperation mit Agrarkonzernen, die im Rahmen mehrerer Initiativen abläuft. Die bekanntesten sind die „Neue Allianz für Ernährungssicherung“ (NAFSAN) der G7-Staaten oder die „Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika“ (AGRA) der Bill und Melinda-Gates- sowie der Rockefeller-Stiftung. AGRA strebt eine Transformation in Afrika hin zu einer inputintensiven Landwirtschaft an, um damit die Einkommen von Kleinbauern und -bäuerinnen zu steigern. „Initiativen wie AGRA setzen vor allem auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Hybridsaatgut und dienen damit in erster Linie den Expansionsbestrebungen großer Konzerne wie Yara und Bayer. Kleinbauern und -bäuerinnen geraten in immer stärkere Abhängigkeiten, und auch die Umwelt leidet unter dem längst gescheiterten Modell der Grünen Revolution“, warnt INKOTA-Agrarreferentin Lena Michelsen. So wurden 2017 etwa in Mosambik in den „Wachstumskorridoren“ Beira und Zambézia fast 50.000 Pakete mit Dünger und vorwiegend Hybrid-Saatgut verteilt. Von 2007 bis 2016 wurden in AGRA-Projekten fast 40.000 „Agro Dealer“ ausgebildet, mit deren Hilfe insgesamt 1,5 Millionen Tonnen synthetische Düngemittel verkauft und den Bauern inputintensive Anbaupraktiken vermittelt wurden. Die deutsche Unterstützung für AGRA wurde in den letzten Jahren ausgebaut und 2017 wurde eine Förderung von 10 Millionen Euro zugesagt, um Maßnahmen zur Ertragssteigerung in Burkina Faso und Ghana umzusetzen – „eine völlige Fehlinvestition“, so Michelsen.

Das BMZ finanziert zudem die Multi-Stakeholder-Initiative „Scaling Up Nutrition“ (SUN), deren Ziel die Bekämpfung von Mangelernährung ist, mit jährlich einer Million Euro. Zwar strebt SUN auch eine „ernährungssensible“ Landwirtschaft an, doch der Fokus liegt auf der Produktion und Vermarktung von mit Mikronährstoffen angereicherten Nahrungsmitteln. Mit am Tisch sitzen Nahrungsmittel- und Chemiekonzerne wie Unilever, Cargill, BASF, PepsiCo etc. und „können ihre Expansionsstrategien darüber legitimiert forcieren.“ Die Autoren betrachten den Fokus der EZ auf Finanzierungsinstrumente und Initiativen, die vornehmlich den Privatsektor einbeziehen, als Holzweg. Denn in den meisten Vorhaben werde ein inputintensives Agrar- und Ernährungsmodell unterstützt, das weder ökologisch nachhaltig noch sozial gerecht sei. FIAN und INKOTA appellieren daher an das BMZ, die institutionelle Förderung und Unterstützung des Agribusiness und der Finanzindustrie einstellen. Stattdessen solle das ganzheitliche Konzept der Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept für die Hunger- und Armutsbekämpfung gemacht werden. Diese basiere auf ökologischen Prinzipien, dem politischen Ansatz der Ernährungssouveränität und dem Recht auf angemessene Nahrung. (ab)

07.03.2019 |

Unterschätzt: UN warnt vor den fünf größten Umweltrisiken

Stickstoffueberschuss eine Gefahr (Guellefass)
Stickstoffüberschuss - eine Gefahr (Foto: CC0)

Fünf große Umweltrisiken stellen die Menschheit vor enorme Herausforderungen und werden tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, Wirtschaft und die Ökosysteme haben, warnt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UN Environment). Seinem Bericht „Frontiers 2018/19“ zufolge sind diese fünf noch zu wenig beachteten Themen die neuesten Entwicklungen in der synthetischen Biologie, die Zerschneidung von Landschaften, das Abtauen von Permafrostböden, Stickstoffbelastung und eine Fehlanpassung an den Klimawandel. „Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entwickelten zwei deutsche Chemiker – Fritz Haber und Carl Bosch – ein Verfahren, um synthetischen Stickstoff günstig im großen Umfang herzustellen. Ihre Erfindung spornte die Massenproduktion von Stickstoffdünger an und veränderte damit die Landwirtschaft weltweit“, erinnert Joyce Musya, die stellvertretende Exekutivdirektorin von UN Environment im Vorwort. Doch dies sei auch der Beginn unseres langfristigen Eingriffs in den Stickstoffhaushalt der Erde gewesen. „Jedes Jahr gelangen reaktive Stickstoffverbindungen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in die Umwelt und degradieren unsere Böden, verschmutzen die Luft und führen zur Ausbreitung von sauerstoffarmen „Todeszonen“ und giftigen Algen in unseren Gewässern“, fügte sie hinzu. „Die in Frontiers untersuchten Probleme sollten daran erinnern, dass wir, wann immer wir in die Natur eingreifen – sei es auf globaler oder molekularer Ebene –, riskieren, dauerhafte Auswirkungen auf unseren Planeten zu verursachen.“

Das erste Kapitel behandelt Chancen und Risiken der synthetischen Biologie. „Neue Verfahren des Genome Editing schreiten rasch voran und versprechen viele biologische und ökologische Vorteile, von der Ausrottung von Krankheiten bis hin zur Verhinderung des Artensterbens. Die Genschere CRISPR/Cas9 ist das neueste und schnellste Gerät im Genome Editing-Werkzeugkasten, das eine enorme Präzision bei der Manipulation des Genoms ermöglicht“, so die Autoren. Sie warnen jedoch deutlich, dass die Fähigkeit, künstliches Leben zu schaffen und vorhandene DNA zu verändern, das Risiko von Kreuzkontaminationen und unbeabsichtigten Folgen berge. „CRISPR-basierte Gen Drives (...) erfordern eine vielschichtige gesellschaftliche Debatte, da sie die gesamte Population von Zielarten verändern, unterdrücken oder ersetzen können.“ Daher könne die absichtliche oder zufällige Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen in die Umwelt erhebliche negative Folgen für die Gesundheit von Mensch und Umwelt haben. „Der Missbrauch dieser Technologien und das Ignorieren unbeabsichtigter Folgen könnte zu einer geopolitischen Bedrohung werden.“ Die Autoren sehen die wachsende Zahl an Do-it-yourself-Biohackern und Garagenlaboren mit großer Sorge. Es bestehe Regelungsbedarf, doch für die Behörden sie dies bei leicht zugänglichen und günstigen Methoden wie CRISPR und Gentechnik-Kits sehr schwierig. Zudem bestehe das Risiko, dass Terroristen die Technologie missbrauchen, um Ernten zu zerstören oder harmlose Mikroben in biologische Waffen umzuwandeln.

Das zweite Thema ist die ökologische Vernetzung – die Verknüpfung und Überbrückung fragmentierter Lebensräume zu einer verbundenen Landschaft, um das Artensterben zu bremsen. Weltweit habe die Industrialisierung in großem Stil zu einer Zerschneidung zuvor intakter Landschaften geführt, was den Rückgang einiger Arten beschleunigt habe, da sie sich nicht mehr räumlich ausbreiten können, um Nahrung oder Partner zu finden. Es gebe vielversprechende Initiativen zur Förderung der Verknüpfung von Landschaften weltweit, aber bei der Planung müsse der Fokus stärker auf die Wiederverbindung von Teillebensräumen und die Bewahrung intakter Landschaften gelegt werden. Das dritte Problem ist das Auftauen der Permafrostböden – jener Böden in der nördlichen Hemisphäre, die bisher dauerhaft gefroren sind und etwa die Hälfte des organischen Kohlenstoffs der Erde speichern. Die Temperatur steige überall, aber in der Arktis schreite die Erwärmung doppelt so schnell voran wie im globalen Durchschnitt. Das rasante Abtauen des Permafrosts könnte einen unkontrollierbaren Schneeballeffekt in Gang setzen, da Kohlenstoff aus den auftauenden Böden freigesetzt werde und die Atmosphäre noch mehr erwärme, wodurch der Klimawandel verstärkt werde.

Die Stickstoffbelastung – die Beeinträchtigung von Ökosystemen, der menschlichen Gesundheit und der Wirtschaft durch massive Veränderung des globalen Stickstoffkreislaufs durch den Menschen – ist eine weitere Top-Gefahr. Stickstoff in Form von Lachgas wirkt als Treibhausgas 300-mal stärker als Kohlendioxid, dazu kommen die Auswirkungen verschiedener Stickstoffverbindungen auf die Ozonschicht und die Luftqualität. „Wir produzieren einen Cocktail aus reaktivem Stickstoff, der Gesundheit, Klima und Ökosysteme bedroht und Stickstoff zu einem der wichtigsten Umweltprobleme der Menschheit macht“, warnt der Bericht. Das Ausmaß des Problems sei jenseits der Wissenschaft jedoch weitgehend unbekannt und unbeachtet. Als fünftes Problem nennt die UN die misslungene Anpassung an den Klimawandel – von nicht funktionierenden Prozessen über Maßnahmen, die Ressourcen schädigen oder ohnehin gefährdete Bevölkerungsgruppen verdrängen. Doch Joyce Musya ist optimistisch: „Wenn wir vorausschauend zusammenarbeiten, können wir einen Schritt voraus sein und Lösungen schaffen, die uns allen und künftigen Generationen dienen werden.“ (ab)

05.03.2019 |

Agrarprodukte für uns, Umweltschäden für die anderen

Land
Veränderte Landnutzung (Foto: CC0)

Die Artenvielfalt und Ökosystemleistungen leiden immer stärker, vor allem in den Tropen. Denn durch das globale Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum steigt auch die Nachfrage nach Agrarprodukten und Lebensräume werden in Ackerflächen umgewandelt. Doch die direkten Folgen zeigen sich meist nicht in den Ländern, die durch ihren Konsum die Rodung von Wäldern oder den großflächigen Einsatz von Pestiziden bewirken, sondern oft in fernen Teilen der Welt. Die Industrieländer haben 2011 rund 90% der durch Konsum von Agrarprodukten erzeugten Auswirkungen auf die Artenvielfalt in andere Erdteile ausgelagert, besagt eine neue Studie, die Anfang März in der Fachzeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienen ist. Als „Telekonnektion“ bezeichnen die Forscher diese indirekte Verantwortung der Verbraucher für Umweltauswirkungen andernorts und fordern, dass die Politik diese einbezieht und nicht nur eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft vor der eigenen Haustür fördert. „Fast jeder Kauf eines Nahrungsmittels beeinflusst indirekt die Natur in der Ferne. Für einen Hamburger etwa werden Rinder geschlachtet, die auf südamerikanischen Weiden stehen oder in hiesigen Ställen mit Soja aus Südamerika gefüttert werden. Dafür werden dort Wälder gerodet, die ursprüngliche Artenvielfalt wird zerstört“, erklärt das Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in einer Pressemitteilung.

Ein Forscherteam unter der Leitung des iDiv und der Uni Halle-Wittenberg untersuchte mit Wissenschaftlern der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), wie sich die Landnutzung auf die biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen auswirkt. Dabei richteten sie besonderes Augenmerk auf die Faktoren Wirtschaftswachstum und Bevölkerungsentwicklung. Die Forscher werteten Daten zu Vogelbeständen, zur Landnutzung und zur Bindung von CO2 mit ökonomischen Modellen im Zeitraum zwischen 2000 und 2011 aus. Ihre Analyse ergab, dass sich in dem Zeitraum aufgrund der Zunahme der Bevölkerung und des steigenden Konsums infolge wachsenden Wohlstandes die Landnutzung verstärkte. Vögel verloren dadurch ihren Lebensraum. Der Studie zufolge erhöhte sich die Zahl der durch Landnutzung vom Aussterben bedrohten Vogelarten zwischen 2000 und 2011 um bis zu 7%. Der Verlust der Artenvielfalt ereignete sich vorwiegend in tropischen Regionen. 2011 lebten über 95% der durch Land- und Forstwirtschaft bedrohten Vogelarten in Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien und im Pazifikraum. Jedoch war 33% des Artenverlustes in Zentral- und Südamerika sowie 26% der Folgen für die Artenvielfalt in Afrika dem Konsum in anderen Weltregionen geschuldet. Für den Verlust der Artenvielfalt Anfang des Jahrtausends sei vor allem die Rinderzucht verantwortlich, aber die Auswirkungen des Anbaus von Ölsaaten, gerade in Asien und Südamerika, haben stark zugenommen. „Das ist unter anderem eine Folge der verstärkten Förderung von Biokraftstoffen, die eigentlich dem Klimaschutz dienen soll“, sagte Prof. Henrique M. Pereira vom iDiv.

Auch die Fähigkeit der Ökosysteme zur Kohlenstoffbindung nehme ab. Zwischen 2000 und 2011 verlor der Planet laut den Forschern 6% seines Potenzials, CO2 aus der Luft zu binden, da die Vegetation auf den neuen Agrarflächen nicht so viel Kohlenstoff einlagern kann wie zuvor. Zwar schwinde die Kapazität der Ökosysteme zur Kohlenstoffbindung weltweit, doch ein Viertel des Schwundes geht auf land- und forstwirtschaftliche Flächennutzung in Europa und Nordamerika zurück. Industriestaaten lagerten im Schnitt 40% der Auswirkungen auf die Kohlenstoffbindung jenseits ihrer Grenzen aus. Die Auswertung, welchen Anteil der Welthandel auf die Biodiversität und Ökosysteme hat, zeigt, dass die Schwellenländer die Industriestaaten als Hauptverantwortliche einholen. „Es ist nicht entweder der Norden oder der Süden, der den Biodiversitätsverlust durch Konsum zu verantworten hat“, erklärt Erstautorin Alexandra Marques vom iDiv. „Es sind beide, und Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum beschleunigen diesen Prozess.“ Im Jahr 2000 waren Westeuropa und Nordamerika für 69% der Auswirkungen auf die Artenvielfalt verantwortlich, 2011 waren es noch 48%. Denn der Anteil anderer Regionen nahm zu, z.B. der asiatischen Länder von 13% in 2000 auf 23% in 2011. Zwar sei die Landnutzung effizienter geworden und die Zerstörung pro erwirtschaftetem Dollar nehme überall ab. „Allerdings wachsen Bevölkerung und Wirtschaft zu schnell, als dass sich diese Effizienzgewinne positiv auswirken könnten“, fügt Nina Eisenmenger, Leiterin des Teams an der BOKU, hinzu.

Die Autoren betonen, dass „Telekonnektionen“ in internationalen Verhandlungen stärker berücksichtiget werden müssen, etwa im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsagenda oder der UN-Biodiversitätskonvention, für die gerade neue Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt für die Zeit nach 2020 verhandelt werden. „Ein notwendiges Ziel zur Erhaltung von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen wäre, dass alle Mitgliedsstaaten ihre Wirtschaftspolitik so gestalten, dass Umweltauswirkungen des Konsums in andern Weltregionen minimiert werden. Dies betrifft vor allem jene Staaten, deren Fernauswirkungen die im eigenen Land übersteigen“, sagte Karlheinz Erb von der BOKU. Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft müsse darüber hinaus in allen Weltregionen gefördert werden und Industrieländer die Auswirkungen der eigenen Klimapolitik stärker berücksichtigen. „Wir brauchen eine Umweltpolitik, die den Klimawandel und den Wandel der biologischen Vielfalt gemeinsam denkt“, empfiehlt auch Pereira. (ab)

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