SDGs - auf zu einer Welt ohne Armut und Hunger mit nachhaltiger Landwirtschaft

Es war ein historischer Augenblick: Am 25. September 2015 beschloss die UN-Generalversammlung die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. 193 Staaten einigten sich nach langen und zähen Verhandlungen auf 35 Seiten Text, die sich mit nichts Geringerem als der „Transformation unserer Welt“ befassen und sich zentralen Herausforderungen der Menschheit widmen: von Armut, Hunger und Ungleichheit über Umweltzer-störung und Klimawandel bis hin zu Themen wie Bildung, Gesundheit und Energie. „Wir sind entschlossen, von heute bis 2030 Armut und Hunger überall auf der Welt zu beenden, die Ungleichheiten in und zwischen Ländern zu bekämpfen, friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften aufzubauen, die Menschenrechte zu schützen und Geschlechtergleichstellung und die Selbstbestimmung der Frauen und Mädchen zu fördern und den dauerhaften Schutz unseres Planeten und seiner natürlichen Ressourcen sicherzustellen.“ (Einleitung Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung) Herzstück der Agenda ist ein Katalog von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung: die Sustainable Development Goals. Die SDGs mit ihren insgesamt 169 Unterzielen sollen bis 2030 von allen Staaten verwirklicht werden.

Was bisher geschah ...

Die SDGs haben ihren Ursprung in zwei anfangs parallel verlaufenden Prozessen. Der eine ist eng mit Rio de Janeiro verknüpft: 20 Jahre nach dem Erdgipfel von 1992, auf dem die internationale Gemeinschaft das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung anerkannte, trafen sich Staats- und Regierungschef 2012 erneut am Zuckerhut zum Gipfel Rio+20. Dessen Abschluss-erklärung „Die Zukunft, die wir wollen“ sah die Ausarbeitung von Nachhaltigkeitszielen durch eine offene zwischenstaatliche Arbeitsgruppe (OWG) vor. Die UN stießen zudem den Post-2015-Prozess an, da sich abzeichnete, dass es nicht gelingen würde, die seit dem Jahr 2000 im Fokus der Entwicklungszusammenarbeit stehenden acht Millennium Development Goals (MDGs) vollständig zu erreichen. Diese beiden Arbeitsstränge wurden 2013 vereint. Zwei Jahre lang erarbeiteten Regierungsvertreter in 13 Konsultationsrunden unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und anderer Interessengruppen den Entwurf für die Agenda 2030, die dann von den UN-Staaten verhandelt und in New York verabschiedet wurde.

Ambitionierte Ziele erfordern eine entschlossene Umsetzung

Die SDGs sind universell und damit für Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer gleichermaßen gültig. Im Gegensatz zu den Millenniums-Entwicklungszielen stehen nun somit auch die Länder des globalen Nordens in der Pflicht. Die SDGs umfassen alle drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung: Soziales, Umwelt und Wirtschaft. „Die heute von uns verkündeten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung und 169 Zielvorgaben zeigen, wie umfassend und ambitioniert diese neue universelle Agenda ist. Sie sollen auf den Millenniums-Entwicklungszielen aufbauen und vollenden, was diese nicht erreicht haben. Sie sind darauf gerichtet, die Menschenrechte für alle zu verwirklichen und Geschlechtergleichstellung und die Selbstbestimmung aller Frauen und Mädchen zu erreichen. Sie sind integriert und unteilbar und tragen in ausgewogener Weise den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung Rechnung: der wirtschaftlichen, der sozialen und der ökologischen Dimension.“ (Präambel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung)
Angesichts der Tatsache, dass sich eine Vielzahl von Staaten mit ganz unterschiedlichen Interessen und Problemen auf die Agenda 2030 verständigten, stellt sie trotz gewisser Schwachpunkte einen überaus ambitionierten Zielkatalog dar. Entscheidend ist nun die Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene, die in vielen Politikbereichen tiefgreifende Veränderungen erfordert. „Der wahre Test bezüglich des Engagements für die Agenda 2030 wird die Umsetzung sein. Wir benötigen dafür Taten von jedem, überall. Siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung sind unsere Richtschnur. Sie sind eine To-Do-Liste für die Menschen und den Planeten und die Blaupause zum Erfolg. Um diese neuen globalen Ziele zu erreichen, brauchen wir hohes Maß an politischer Verpflichtung. Es bedarf einer erneuerten globalen Partnerschaft. (Ex-Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, 25.09.2015) Auf UN-Ebene wacht das Hochrangige Politische Forum für Nachhaltige Entwicklung (HLPF) über den aktuellen Umsetzungsstand. In Deutschland soll die Neuauflage der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie den Hauptrahmen für die Umsetzung bilden. Damit Fortschritte gemessen und verglichen werden können, hat eine Arbeitsgruppe im Auftrag der UN-Statistikkommission ein erstes Set von 232 globalen Indikatoren erarbeitet.

SDG 2: Kein Hunger, bessere Ernährung, nachhaltige Landwirtschaft

Der Themenkomplex Welternährung und Landwirtschaft ist in der Agenda 2030 prominent verankert – mehrere Ziele und Unterziele befassen sich mit verschiedenen Aspekten rund um unsere Ernährung und die für die Erzeugung von Lebensmitteln nötigen natürlichen Ressourcen, wie Saatgut, Wasser und Land. Das 2. SDG zielt explizit darauf ab, den Hunger weltweit zu beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung zu erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Acht Unterziele konkretisieren das Vorhaben: Bis 2030 soll nicht nur gesichert sein, dass alle Menschen das ganze Jahr über Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung haben und alle Formen der Mangelernährung der Vergangenheit angehören, sondern es soll auch die landwirtschaftliche Produktivität und das Einkommen von Kleinbauern verdoppelt werden. Ziel 2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

2.1 Bis 2030 den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, insbesondere die Armen und Menschen in prekären Situationen, einschließlich Kleinkindern, ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben

2.2 Bis 2030 alle Formen der Mangelernährung beenden, einschließlich durch Erreichung der international vereinbarten Zielvorgaben in Bezug auf Wachstumshemmung und Auszehrung bei Kindern unter 5 Jahren bis 2025, und den Ernährungsbedürfnissen von heranwachsenden Mädchen, schwangeren und stillenden Frauen und älteren Menschen Rechnung tragen

2.3 Bis 2030 die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten, insbesondere von Frauen, Angehörigen indigener Völker, landwirtschaftlichen Familienbetrieben, Weidetierhaltern und Fischern, verdoppeln, unter anderem durch den sicheren und gleichberechtigten Zugang zu Grund und Boden, anderen Produktionsressourcen und Betriebsmitteln, Wissen, Finanzdienstleistungen, Märkten sowie Möglichkeiten für Wertschöpfung und außerlandwirtschaftliche Beschäftigung

2.4 Bis 2030 die Nachhaltigkeit der Systeme der Nahrungsmittelproduktion sicherstellen und resiliente landwirtschaftliche Methoden anwenden, die die Produktivität und den Ertrag steigern, zur Erhaltung der Ökosysteme beitragen, die Anpassungsfähigkeit an Klimaänderungen, extreme Wetterereignisse, Dürren, Überschwemmungen und andere Katastrophen erhöhen und die Flächen- und Bodenqualität schrittweise verbessern

2.5 Bis 2020 die genetische Vielfalt von Saatgut, Kulturpflanzen sowie Nutz- und Haustieren und ihren wildlebenden Artverwandten bewahren, unter anderem durch gut verwaltete und diversifizierte Saatgut- und Pflanzenbanken auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, und den Zugang zu den Vorteilen aus der Nutzung der genetischen Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens sowie die ausgewogene und gerechte Aufteilung dieser Vorteile fördern, wie auf internationaler Ebene vereinbart

2.a Die Investitionen in die ländliche Infrastruktur, die Agrarforschung und landwirtschaftliche Beratungsdienste, die Technologieentwicklung sowie Genbanken für Pflanzen und Nutztiere erhöhen, unter anderem durch verstärkte internationale Zusammenarbeit, um die landwirtschaftliche Produktionskapazität in den Entwicklungsländern und insbesondere den am wenigsten entwickelten Ländern zu verbessern

2.b Handelsbeschränkungen und -verzerrungen auf den globalen Agrarmärkten korrigieren und verhindern, unter anderem durch die parallele Abschaffung aller Formen von Agrarexportsubventionen und aller Exportmaßnahmen mit gleicher Wirkung im Einklang mit dem Mandat der Doha-Entwicklungsrunde

2.c Maßnahmen zur Gewährleistung des reibungslosen Funktionierens der Märkte für Nahrungsmittelrohstoffe und ihre Derivate ergreifen und den raschen Zugang zu Marktinformationen, unter anderem über Nahrungsmittelreserven, erleichtern, um zur Begrenzung der extremen Schwankungen der Nahrungsmittelpreise beizutragen (Ziel 2 der Agenda für Nachhaltige Entwicklung)

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen für alle

Auch das 3. Ziel,Ziel 3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

3.1 Bis 2030 die weltweite Müttersterblichkeit auf unter 70 je 100.000 Lebendgeburten senken

3.2 Bis 2030 den vermeidbaren Todesfällen bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren ein Ende setzen, mit dem von allen Ländern zu verfolgenden Ziel, die Sterblichkeit bei Neugeborenen mindestens auf 12 je 1.000 Lebendgeburten und bei Kindern unter 5 Jahren mindestens auf 25 je 1.000 Lebendgeburten zu senken

3.3 Bis 2030 die Aids-, Tuberkulose- und Malariaepidemien und die vernachlässigten Tropenkrankheiten beseitigen und Hepatitis, durch Wasser übertragene Krankheiten und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen

3.4 Bis 2030 die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten durch Prävention und Behandlung um ein Drittel senken und die psychische Gesundheit und das
Wohlergehen fördern    
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3.7 Bis 2030 den allgemeinen Zugang zu sexual- und reproduktionsmedizinischer Versorgung, einschließlich Familienplanung, Information und Aufklärung, und die Einbeziehung der reproduktiven Gesundheit in nationale Strategien und Programme gewährleisten

3.8 Die allgemeine Gesundheitsversorgung, einschließlich der Absicherung gegen finanzielle Risiken, den Zugang zu hochwertigen grundlegenden Gesundheitsdiensten und den Zugang zu sicheren, wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln und Impfstoffen für alle erreichen

3.9 Bis 2030 die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemikalien und der Verschmutzung und Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden erheblich verringern (Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung)
ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern, ist eng mit Landwirtschaft und Ernährung verknüpft, denn Gesundheit und Wohlergehen ist ohne Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung nicht denkbar. Das gleiche gilt für die Unterziele, vermeidbare Todesfällen bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren zu verhindern oder die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten, wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, um ein Drittel senken. Unterziel 3.9 sieht vor, die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemikalien und der Verschmutzung und Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden erheblich zu verringern. >>Mehr

Grundlagen

Bewegung

  • SDG Watch Europe ist eine Allianz europäischer NGOs
  • Biovision engagiert sich für die Agenda 2030 mit Fokus auf 5 Ziele
  • Post-2015-Blog des Forum Umwelt und Entwicklung
  • 2030agenda.de ist ein Projekt des Global Policy Forum zu den SDGs
  • 2030 Watch überprüft anhand der Indikatoren, ob Deutschland die SDGs erreicht

Literatur

Videos: SDGs

UNSSC-Erklärvideo zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

FAO-Video (englisch) zu den SDGs rund ums Thema Boden

Wir haben 2012 den Rio+20-Prozess mit englischen Nachrichten begleitet und gefordert, dass die Botschaften des Weltagrarberichts einfließen

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