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10.04.2023 |

Fleischverzehr in Deutschland sinkt 2022 auf 30-Jahres-Tiefstand

VegBur
Ofenbar griffen die Deutschen häufiger zum Veggie-Burger (Foto: CC0)

In Deutschland wird so wenig Fleisch gegessen wie seit 31 Jahren nicht mehr: Die Bundesbürger*innen verzehrten 2022 im Durchschnitt „nur“ noch 52 Kilogramm Fleisch pro Kopf und damit vier Kilo weniger als noch im Vorjahr und sogar 8 Kilo weniger als noch 2017. Das zeigen Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) für das Jahr 2022, die am 3. April veröffentlicht wurden und noch als vorläufig bezeichnet werden. Der bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angesiedelte Informationsdienstleister vermeldet, dass es sich um einen historischen Tiefstand seit Einführung des Datensatzes mit der Wiedervereinigung 1989 handelt. Der Pro-Kopf-Verzehr hatte sich nach der Wende zwischen 60 bis 63 Kilogramm eingependelt, fiel 2019 erstmals unter die 60-Kilo-Marke und sinkt seither stetig. Als mögliche Ursache für den rückläufigen Fleischverzehr wird die anhaltende Tendenz zu einer pflanzenbasierten Ernährung genannt.

In der Bundesrepublik wurde 2022 Fleisch mit einem Schlachtgewicht von insgesamt rund 7,6 Millionen Tonnen erzeugt. Im Vergleich zu 2021, als sich die Nettoerzeugung noch auf 8,3 Millionen Tonnen belief, ist dies ein Rückgang um 8,3%. Deutschland führt deutlich mehr Fleisch, Fleischwaren und Konserven aus als importiert werden: 2022 standen Einfuhren in Höhe von 2,7 Millionen (+5,4% im Vergleich zum Vorjahr) Exporten von 3,8 Millionen Tonnen Fleisch- und Fleischwaren gegenüber (-3,3%). Die in einer Excel-Datei veröffentlichten Zahlen reichen zurück bis 1991. Während die Einfuhren seit 1991 um 45% stiegen und sich mit Beginn der 2000er-Jahre recht stabil zwischen 2,2 und 2,5 Millionen Tonnen einpendelten, haben sich die Fleischexporte im Vergleich zu 1,32 Millionen Tonnen in 1991 mittlerweile fast verdreifacht. Schweinefleisch ist der Exportschlager: Während Deutschland 1991 noch dreimal so viel Schwein einführte (822.000 Tonnen) wie ausführte (254.400 Tonnen), wuchs die Exportmenge seither kontinuierlich an, erreichte 2016 einen Höchststand von 2,5 Millionen Tonnen und hat sich in den letzten drei Jahrzehnten insgesamt fast verachtfacht.

2022 standen in Deutschland letztendlich 6,51 Millionen Tonnen Fleisch für den Verbrauch zur Verfügung. Das waren 77,5 Kilo pro Kopf und damit 4,2 Kilo weniger als noch 2021. In diesen Werten sind neben dem Nahrungsverbrauch auch die Anteile für Futter sowie industrielle Verwertung und Verluste (inklusive Knochen) enthalten. Der menschliche Verzehr, also das Schlachtgewicht ohne Verluste und industrielle Verwertung, lag letztes Jahr bei den eingangs genannten 52 Kilogramm. Schweinefleisch ist nach wie vor das beliebteste Fleisch der Deutschen: Rein rechnerisch verzehrte jeder immer noch 29 Kilo im Jahr, gefolgt von Geflügel mit 12,7 Kilo und Rindfleisch mit 8,7 Kilo. In den letzten drei Jahrzehnten zeigte sich jedoch eine deutliche Trendumkehr: Während der Hunger auf Schwein nachließ und seit 1991 um mehr als 10 Kilo pro Kopf zurückging, nahm der Konsum von Geflügelfleisch um 5,4 Kilogramm pro Bundesbürger*in zu. Laut den Zahlen für 2022 hat Deutschland bei Fleisch einen Selbstversorgungsgrad (SVG) von 116% und deckt durch die Produktion somit deutlich mehr als den inländischen Verbrauch ab. Im Vorjahr hatte der Wert noch bei 118% gelegen. Beim Schweinefleisch betrug der Selbstversorgungsgrad sogar 125,8% (2021: 132,4%). Bei Rind- und Kalbfleisch waren es 2022 hingegen 94,8% und bei Geflügelfleisch 97,4%. Gar keinen Appetit haben die Deutschen hingegen auf Innereien: Hier lag der SVG bei 439,5%. Was nicht zu Tierfutter verwurstet werden kann, wird exportiert. Das BZL kündigte in der Pressemitteilung zudem an, dieses Jahr noch die Methodik zur Berechnung der Versorgungsbilanz anzupassen. Die künftigen Zahlen werden somit nicht mehr mit den bisherigen Werten vergleichbar sein und die Datensätze der letzten zehn Jahre sollen daher basierend auf der neuen Methodik nachberechnet werden. (ab)

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