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10.12.2018 |

Rote Liste: Nährstoffbelastung gefährdet Wildpflanzen

Kornrade
Kornrade - hat die Kurve gekriegt, aber ist immer noch stark gefährdet (Foto: CC0)

Fast ein Drittel der Wildpflanzen in Deutschland ist im Bestand gefährdet – als eine der Hauptursachen gilt die hohe Nährstoffbelastung durch Düngemittel in der Landwirtschaft. Das ist das Ergebnis der aktuellen Roten Liste der Pflanzen, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am 5. Dezember 2018 in Berlin vorstellte. Diese ermittelt die Bestandssituation und das Ausmaß der Gefährdung für insgesamt 8.650 in Deutschland heimische Farn- und Blütenpflanzen, Moose und Algen und untersucht sowohl lang- als auch kurzfristige Bestandstrends. Im Verlauf der letzten etwa 150 Jahre sind hierzulande 119 Pflanzenarten ausgestorben oder verschollen – mit so klangvollen Namen wie Alpen-Klappertopf oder Zwerg-Rohrkolben. Betroffen waren überwiegend Arten, die in nährstoffarmen Gewässern oder Standorten auftraten, wie das Biegsame Nixkraut oder die Dickblättrige Sternmiere, sowie um früher verbreitete Ackerwildkräuter, wie der Tataren-Buchweizen oder die Bittere Schleifenblume. „Pflanzen nehmen eine ganz elementare Rolle in den Ökosystemen ein. Ein Rückgang ihrer Artenvielfalt wirkt sich deshalb stets auch auf die große Vielfalt anderer Organismengruppen negativ aus“, warnte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel anlässlich der Vorstellung des 784-Seiten-Berichts - der siebte Band in der Reihe.

Die Rote Liste belegt, dass insgesamt 30,8% aller in Deutschland vorkommenden Pflanzen in ihrem Bestand gefährdet sind. „Bei der artenreichsten Pflanzengruppe, den Farn- und Blütenpflanzen, sind insgesamt 27,5% in ihrem Bestand gefährdet und damit entweder vom Aussterben bedroht oder in unterschiedlichem Ausmaß gefährdet“, erklärte der Botaniker Dr. Günter Matzke-Hajek, ehrenamtlicher Autor der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen, die 4.305 Arten umfasst. Am höchsten war der Anteil bestandsgefährdeter Pflanzen in der Gruppe der Zieralgen mit 51,2% und am geringsten bei den Schlauchalgen mit 13,3%. Für den Rückgang von fast der Hälfte der Rote-Liste-Arten sind Standortveränderungen durch Nährstoffeintrag die wesentliche Ursache. „Auffallend viele vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Arten finden sich unter den typischen Arten nährstoffarmer Gewässer und anderer nährstoffarmer Standorte wie Moore, Heiden oder Extensiväcker“, sagte die BfN-Präsidentin. Ein zu hoher Nährstoffeintrag lässt nicht nur die Bestände von Wasserpflanzen wie Igel-Schlauch und Wasser-Lobelie schwinden, sondern auch Arten des Magerrasens und der Heiden, zum Beispiel die Wiesen-Küchenschelle und das Katzenpfötchen. „Unter den auf landwirtschaftlichen Flächen in der Agrarlandschaft vorkommenden Wildarten sind besonders Ackerwildkräuter durch die Intensivierung der Landwirtschaft (Herbizideinsatz, Düngung) gefährdet“, betont das BfN.

Es gibt jedoch auch positive Nachrichten, gerade was kurzfristige Bestandstrends in den letzten 10 bis 25 Jahren anbelangt. „Erfreulich entwickelt haben sich die Bestände einiger Moos- und Algenarten. Erfolge wurden hier vor allem durch Maßnahmen des technischen Umweltschutzes erzielt. Dadurch haben bei den Moosen vor allem die auf Bäumen wachsenden Arten von einer verbesserten Luftqualität, etwa durch geringere Schwefelimmissionen profitiert“, vermeldet das BfN. Auch bei 327 Farn- und Blütenpflanzen, die in den letzten 100 bis 150 Jahren zurückgingen, konnte eine weitere Abnahme in den letzten rund 20 Jahren aufgehalten und bei 18 Arten sogar umgekehrt werden. Das sei oft gezielten Artenhilfsmaßnahmen wie Ackerrandstreifen oder der Einrichtung von Schutzäckern zu verdanken. Dadurch konnten etwa die stark bedrohten Bestände der Kornrade oder der Dicken Trespe, beides früher typische Begleitpflanzen in Getreidekulturen, verbessert werden. „Gezielte Hilfsprogramme des Naturschutzes für einzelne Arten weisen zwar gute Erfolge auf, sie können aber nur die Ultima ratio sein“, sagte Jessel. Um den Artenrückgang auf breiter Front aufzuhalten, müsse auf Ebene der Landschaft, bei einer naturverträglichen Landwirtschaft und bei einer umfassenden Verbesserung der Gewässer angesetzt werden. „Die Rote Liste unterstreicht daher einmal mehr, dass ein Umsteuern in der Landwirtschaft und in der Agrarpolitik dringend erforderlich ist. Denn die zunehmende Nährstoffbelastung gefährdet immer mehr Wildpflanzen in Deutschland – sowohl an Land als auch im Wasser“, so Jessel. (ab)

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