News

24.05.2018 |

Zerstörerische Masse: Mensch verdrängte 83% der wild lebenden Säugetiere

Tiere
Nutztiere - eine gewaltige Masse (Foto: CC0)

Wenig Masse, gewaltige Wirkung: Der Mensch macht nur 0,01% der Biomasse auf der Erde aus, doch seit Beginn der Zivilisation hat der Homo sapiens 83% aller wild lebenden Säugetiere und die Hälfte der Pflanzen verschwinden lassen, während er die Masse an Nutztieren enorm steigerte. Das zeigt die weltweit erste Biomasse-Bilanz, die am 21. Mai im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS) veröffentlicht wurde. Um die Biomasse von Bakterien, Plankton, Bäumen, aber auch Termiten und Menschen gegenüberstellen zu können, bestimmten die Forscher des „Weizmann Institute of Science“ in Israel und des „California Institute of Technology“ den Kohlenstoffanteil für jede Gruppe in Gigatonnen. Sie berechneten, dass alle Lebewesen der Erde insgesamt 550 Gigatonnen auf die Waage bringen, wovon mit 82% oder 450 Gt Kohlenstoff die Pflanzen den größten Anteil ausmachen. Auf Platz 2 stehen alle Bakterien mit 13% (70 Gt C), gefolgt von Pilzen (12 Gt C), Archaeen (7 Gt C) und Protisten (4 Gt C). Alle Tiere zusammen bringen es gerade einmal auf 2 Gigatonnen, wovon der Mensch 0,06 Gigatonnen ausmacht – etwa so viel wie auch die Termitenpopulation. Selbst die Fische bringen es mit 0,7 Gigatonnen auf deutlich mehr Biomasse als der Mensch.

Doch trotz der geringen Masse hat der Mensch auf der Erde deutliche Spuren hinterlassen. Die Forscher verglichen die berechnete Biomasse mit Schätzungen für die Zeit vor Beginn der Zivilisation. Das Ergebnis ist eindrücklich: Seit der Mensch sich auf dem Planeten tummelt, hat er 83% der wild lebenden Säugetiere, 80% der Meeressäuger, 50% der Pflanzen und 15% der Fische den Garaus gemacht. „Wir wissen, wie der Mensch die Biosphäre beeinflusst, aber nun sind wir in der Lage, die Zahlen zu präsentieren, unseren Einfluss zu quantifizieren“, sagte Professor Ron Milo vom Weizmann Institute. Die Autoren schreiben, dass „größere Innovationen im Verlauf der relativ kurzen Zeitspanne der menschlichen Geschichte, wie zum Beispiel die Domestizierung von Tieren, der Übergang zur Landwirtschaft und die industrielle Revolution, die menschliche Bevölkerung dramatisch anwachsen ließen und radikale Folgen für die Umwelt mit sich brachten“.

Eine Folge ist die schnelle Zunahme der Biomasse von domestizierten Nutztieren. Der Studie zufolge sind 60% aller Säugetiere weltweit Nutztiere (0,1 Gt C), während es der Mensch auf 36% und Wildtiere gerade einmal 4% (0,007 Gt C) bringen. Auch bei Vögeln sieht es ähnlich aus: 70% der Biomasse entfällt heute auf domestiziertes Geflügel (0,005 Gt C), hauptsächlich Hühner, während Wildvögel gerade einmal 30% ausmachen. „Es ist ziemlich erstaunlich“, sagt Milo. „In Tierdokus sehen wir Vogelschwärme in Massen, und als wir nun die Analyse durchführten, stellten wir fest, dass es weitaus mehr domestizierte Vögel gibt.“ Milo betont, dass unsere Essgewohnheiten einen enormen Einfluss auf die Lebensräume von Tieren, Pflanzen und Organismen haben. „Es ist definitiv auffallend, dass wir unverhältnismäßig viel Raum auf der Erde einnehmen“, sagte er der britischen Tageszeitung The Guardian. „Wenn ich mit meinen Töchtern ein Puzzle mache, findet sich da gewöhnlich ein Elefant neben einer Giraffe und einem Nashorn. Wenn ich ihnen aber ein realistischeres Bild der Welt vermitteln wollte, müsste da eine Kuh neben einer Kuh neben einer Kuh stehen und dann würde noch ein Huhn kommen.“ Milo hegt Hoffnung, dass die Studie vielleicht die Art und Weise beeinflusst, wie wir Menschen konsumieren. „Ich selbst bin nicht zum Vegetarier geworden, aber ich beziehe die Auswirkung auf die Umwelt in meine Entscheidungsfindung ein. Es hilft mir also bei der Überlegung, ob ich Rindfleisch und Geflügel wähle – oder stattdessen öfter mal zu Tofu greife.“ (ab)

Back to news list

Donors

Donors of globalagriculture Bread for all biovision Bread for the World Misereor Heidehof Stiftung Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz Rapunzel
English versionDeutsche VersionDeutsche Version